Ein Jahr neigt sich wieder dem Ende zu. Ganz intuitiv fallen wir in uns selbst. Wir verlangsamen, widmen uns selbst mehr Aufmerksamkeit. Wir feiern kleine Dinge, backen Zimtschnecken oder Kekse. Wir gehen auf Laub, blicken in dürre Äste und betrachten, wie die Natur alles loslässt was war. Es ist eine Zeit der Be-sinnung. 28 Tage lang feiern wir den Advent, alles Kommende. Und wir feiern, indem wir uns mehr Licht schenken, das wir der Dunkelheit entgegenhalten.

Die magischen Rauhnächte laden uns ein. Für viele beginnen sie mit der Wintersonnenwende, dem Thomastag, am 21. Dezember – dem dunkelsten Tag des Jahres. Für andere beginnen sie mit dem 25. Dezember in der Zeit „zwischen den Jahren“.

Eine aus der Zeit gefallene Zeit

Die folgenden elf magischen Tage und zwölf magischen Nächte sind eine Zeit jenseits der Zeit. Das Mondjahr ist beendet, der Mond hat seine 354 Mondnächte beschlossen. 12 Nächte lang warten wir, bis der Mond und die Sonne wieder synchron sind. Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, ist es dann soweit – die Harmonie zwischen Sonne und Mond ist wiederhergestellt.

Warum sprechen wir von Rauhnächten?

Was nicht harmonisch ist, ist rau oder wild. In den Rauhnächten sind die Tore des Jenseits geöffnet, die Portale zur Welt der Ahnen und zur astralen Welt.

Man sagt, dass der Begriff der Rauhnächte mit dem Räuchern zusammenhängt, oder auch vom mittelhochdeutschen rûch (haarig, pelzig) stammt. So sollten während der Rauhnächte haarige Dämonen ihr Unwesen in der irdischen Welt treiben. Unsere Vorfahren hingen in dieser Zeit keine Wäsche auf, um Dämonen nicht darin zu verfangen. Die Häuser wurden vor schlechten Einflüssen geschützt, alles Dunkle ausgeräuchert.

Hildegard Bauer - Magische Rauhnächte
Kurs Magische Rauhnächte

Eine Zeit der Klärung

Wozu laden die Rauhnächte uns ein? Sie laden uns ein, das Licht zu halten.

Nach der Wintersonnenwende bäumen die Kräfte der Dunkelheit sich auf, doch wirklich ist das Licht längst zurückgekehrt. Wir sehen es nicht, denn um es willkommen heißen zu können, müssen wir unser Licht in die Dunkelheit werfen. Wir müssen bereit sein, mehr zu sehen. Aufzuwachen, uns unseren Dämonen zu stellen. Wenn wir es können, lädt uns diese Zeit ein, mit unseren Vorfahren in Kontakt zu treten und zu klären, was wir familiär lösen müssen. Sie lädt uns ein, bewusster zu träumen und alles Verdrängte und Anstehende zu erlauben. Es oder uns zu integrieren. Denn alles, was bewusst wird, strebt ins Licht und kehrt als Heilung und Gesundung in uns zurück. Was bewusst wird, schenkt uns Klärung. Was bewusst wird, schenkt uns die Rückkehr von Energie, von neuer Lebenskraft – von Lebendigkeit und von allem Frischem.

Es ist also eine Zeit des Loslassens. Wir lassen das Alte, das Laub, das Gelebte fallen und kehren zu uns zurück. Wir erinnern uns an unser Licht. Wie bei trübem Wasser, das sich klärt, scheiden wir das Alte und Dunkle von allem Neuen und Strömenden. In Indien sagt man, der Lotus wächst aus dem Schlamm. Nur durch den Schlamm können wir wachsen, nur durch das Dunkle wirklich dem Licht entgegenstreben und zu unserer Schönheit und Blüte gelangen. Es ist eine Zeit der Meditation, des stillen, urteilsfreien Betrachtens. Der Einkehr und der Sammlung. Wir sammeln, was wir vergaßen: uns selbst.

Eine Zeit der Orakel und der bewussten Schöpfung

In dieser Zeit, in der wir bewusst mit unseren Dämonen ringen, wird das Licht neu geboren. Indem wir es neu suchen. Am Dreikönigstag erkennen wir dies nur, ganz so wie die drei weisen Könige, die loszogen, um es zu finden.

Viele Rituale helfen uns dabei, auf diese Reise der Wiederkehr des Lichts zu gehen und das Neue zu empfangen. Wie unsere Vorfahren können wir räuchern, unser Umfeld reinigen und uns selbst in einen Prozess der Reinigung begeben, fasten, spazieren gehen, Tagebuch schreiben, unsere Träume notieren. Wir können weiter entschleunigen – und indem wir abends eine Kerze anzünden, be-sinnen wir uns auf die besondere Zeit, die wir durchleben.

Die offenen Portale zur Astralwelt erlauben uns, während der Rauhnächte das Kommende zu schöpfen. Traditionell steht jede Nacht für einen Monat des neuen Jahres und damit unter einem neuen astrologischen Zeichen.  Es ist eine gute Zeit für Feuerrituale und dafür, intuitive und leitende Botschaften aus dem höheren Selbst zu erkennen. Feuerrituale halten eine Schöpfung als leuchtendes Licht der Intention. Wir können zum Beispiel für jeden Monat des neuen Jahres eine Intention setzen, sie aufschreiben und im Feuer verbrennen.

Der Übergang des Jahres 2022/23 fordert uns ganz besonders auf, zurückzublicken und zu reflektieren, denn der Planet Merkur geht am 29. Dezember bis zum 18. Januar inmitten der Rauhnächte retrograd. Er prüft uns also besonders und fragt uns, ob wir unsere Schöpfung halten können oder dem Alten erliegen. Unsere Rituale helfen uns dabei, dies nicht zu tun, die Dunkelheit zu besiegen und alles Neue in Schönheit und Schöpfung willkommen zu heißen.